Dienstag, 17. Februar 2009

Kastration von Sexualstraftätern in Italien ?

Ein Mitglied der Regierung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Kastration von Sexualstraftätern gefordert. In einigen Fällen gebe es keine andere Möglichkeit, sagte der Minister für Bürokratieabbau, Roberto Calderoli, in einem Interview mit der Zeitung „La Stampa“ vom Montag.

Da eine Unterdrückung des Sexualtriebs mit Medikamenten nicht immer funktioniere, bleibe nur ein chirurgischer Eingriff. „Die Gesellschaft muss sich verteidigen“, sagte Calderoli, der der rechtgerichteten Lega Nord angehört.

In den vergangenen Tagen hatten in Italien drei Vergewaltigungsfälle für eine Welle der Empörung gesorgt. Die Regierung kündigte daraufhin ein Gesetz zur besseren Überwachung von Sexualstraftätern an. Laut Presseberichten sollen Gemeinden unbewaffnete Bürgerwehren zum Schutz vor Vergewaltigern aufstellen dürfen.

In Europa steht insbesondere Tschechien wegen der Kastration von Sexualstraftätern in der Kritik. Vor zwei Wochen hatte der Europarat die Prager Regierung aufgefordert, dieser Praxis „unverzüglich ein Ende setzen“.

Die Kastration durch einen operativen Eingriff sei eine Verstümmelung, die nicht rückgängig zu machen sei und erhebliche Nebenwirkungen habe.

Eine Delegation des Europarats hatte in psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen der Tschechischen Republik festgestellt, dass nicht nur aggressive Sexualstraftäter kastriert wurden, sondern auch vergleichsweise harmlose Täter, etwa Exhibitionisten.

© afp/www.aerzteblatt.de